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Win-win Logik ...  Zusammenfassung
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Erst mit dem Ausbruch aus der Gewinner ? Verlierer Logik ergeben sich neue Möglichkeiten, die Vernichtungsstrategie zu überwinden. Den Auslöser bietet eine veränderte Sichtweise, die mit dem so genannten Harvard Kon-zept aufgedeckt wurde. Das Harvard Konzept erbringt den Nachweis, dass es möglich ist, win-lose (Gewinner ? Verlierer) Ergebnisse in win-win Lösun-gen (Gewinner ? Gewinner) zu transformieren. Es ist möglich, beiden Seiten einen Gewinn vor Augen zu halten und beide Parteien siegen zu lassen! Das schulmäßige Beispiel dafür, dass win-win Lösungen möglich sind, ist der Streit zweier Kinder um eine Orange.

Beispiel: Eine Mutter hat 2 Kinder. Beide streiten sich um eine Orange. Wie wird die Mutter den Streit entscheiden? Wird sie die Orange halbieren und jedem Kind eine Hälfte geben? Wird sie die Orange keinem der Kinder geben und selber essen? Die an einer konstruktiven Konfliktlösung interessierte Mutter wird die Kinder befragen, warum sie streiten und was Ihnen der Streit nutzen soll. In diesem Fall hätte das eine Kind gesagt: 'Zum Kuchen backen'. Das andere Kind hätte geantwortet: 'Um Saft zu trinken'. Die Mutter würde jetzt die Orange schä-len, um dem einen Kind die Schale für den Kuchen und dem anderen Kind den Saft zum Trinken zu geben. Jedes Kind hat so 100% dessen bekommen, was es haben wollte.
Im Beispiel wird die win-win Lösung dadurch möglich, dass neben der Streitebene eine weitere Ebene zur Disposition gestellt wird, auf der jede Partei einen Gewinn erwarten kann, ohne dass sich der Gewinn der anderen Partei dadurch schmälert. Win-win Lösungen gehen mit einer Erweiterung des Blickfeldes einher, indem die außerhalb des Streites liegenden Interessen Beachtung finden. Die Verhandlungspartner des Harvard Konzeptes sind darauf angewiesen, sowohl auf die eigenen Interessen wie auch auf die Interessen der Verhand-lungspartner zu achten. Dafür genügt nicht die strategische Vorausschau, wie der Andere möglicherweise reagieren wird. Entscheidend ist, dass jede Partei in der Lösung für sich einen Vorteil erkennt, der so groß ist, dass er zu einer Befriedigung aller Interessen führt. Wie so eine win-win Lösung in der Praxis einer familienrechtlichen Auseinandersetzung aussieht, beschreibt der so genannte Babysitterfall:

Beispiel (Babysitterfall): In einer Umgangssache erscheint die Kindesmutter etwas vor dem Gerichtstermin. Sie nutze die Ge-legenheit, den schon anwesenden Richter darüber zu informie-ren, dass sie eine allein erziehende Mutter sei. Es sei ihr als solche kaum möglich, das Haus zu verlassen. Sie habe keine Babysitter. Auch die Wahrnehmung des Gerichtstermins sei ihr kaum möglich gewesen. Die Interessenlage ist offenkundig. Das Interesse der Mutter ist auf eine Entlastung ihrer Auf-sichtspflicht gerichtet, das Interesse des Vaters richtet sich auf einen vermehrten Umgang. Eine win-win Lösung ließe sich da-durch herstellen, dass der Vater als Babysitter fungiert.
Es bliebe ohne Wirkung, wenn die Parteien auf eine win-win Lösung gesto-ßen werden. Stellen Sie sich vor, der Richter hätte der Mutter des vorange-gangenen Beispiels den Vorschlag unterbreitet, den Antragsteller zu befra-gen, ob er nicht ab und zu auf das Kind aufpassen könne. Die Mutter hätte dies mit dem Hinweis auf das vorliegende Umgangsregelungsverfahren si-cherlich abgelehnt. Sie hätte den Zusammenhang der Lösung des Um-gangsstreites und der Babysitterproblematik kaum herstellen können. Ihr eigentliches Interesse am Streit war nämlich nicht die Gewährung des Um-ganges, sondern die Herbeiführung eines Machtausgleichs in der Beziehung zum Mann. Auch wenn sich diese Zusammenhänge den Streitbeobachtern ohne weiteres erschließen, wäre es kaum zu erwarten, dass die Streitpar-teien sich derartige Beweggründe eingestehen. Meistens bleiben sie im Verborgenen. Der Babysitterfall belegt, dass die Interessen nicht so einfach zu diskutieren sind wie Sachfragen . Dennoch folgt die win-win Logik dem Prinzip: Die Interessen der Parteien sind die Grundlage für ein win-win Ergebnis, nicht die im Konflikt eingenommenen Positionen! Um die hinter dem Handeln liegenden Interessen zu erkennen, bedarf es ei-nes ganz spezifischen Einfühlungsvermögens, mit dem auch die hinter den geäußerten Wünschen und Forderungen liegenden Bedürfnisse anzuspre-chen sind. Diese Fähigkeit wird Empathie genannt . Es handelt sich um eine emotionale Intelligenz, die wir als ein einfühlendes Verstehen begreifen. Viele Menschen besitzen diese Fähigkeit wie Naturtalente. Sie ist jedoch auch erlernbar. In jedem Fall ist sie professionell verwertbar. Sie hilft uns, sich in die Rolle des Anderen hineinzudenken. Das Verständnis für die Konfliktlage wird verbessert. Wir erkennen, dass jede Position wie ein Kalei-doskop eine andere Perspektive des Konfliktes offen legt. Die Position der Kinder ergibt einen anderen Blickwinkel als die der Eltern. Mit der empathi-schen Fähigkeit gelingt es uns, alle Sichtweisen wahrzunehmen, wodurch sich die Bandbreite möglicher Lösungen aufzeigt. Für die Arbeit am Konflikt bedeutet dies: Erst wenn die Sichtweisen Aller nachvollzogen werden, ergibt das Mosaik ein komplettes Bild. Wichtig ist die Erkenntnis, dass sich die formalen Positionen der Parteien durchaus von zugrunde liegenden Interessen und Zielsetzungen der Parteien lösen können


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[Aktualisiert: 19-05-2004]
[Verantwortlich: Arthur Trossen]
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