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Zeitverschiebung Meine Zeit und Deine Zeit ist nicht dieselbe Zeit 

Streithans meint:
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Wenn wir die Zeit als einen Fortschritt im Verlauf eines Konfliktes beschrei-ben, ist es leicht nachzuvollziehen, dass der Betroffene zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Stimmungslagen, Einstellungen und Befindlichkei-ten erliegt. Wir haben bereits festgestellt, dass jede der Parteien in einer ei-genen, subjektiven Wirklichkeit gefangen ist. Aus diesem Grunde ist der Zeitfaktor auch für jede Partei individuell zu bestimmen. Es entspricht einer konsequenten Fortführung dieser Beobachtung, wenn wir den Ehegatten zugestehen, dass sie sich an unterschiedlichen Zeitpositionen oder gar in unterschiedlichen Entwicklungsstufen eines Konfliktes befinden und diesen unterschiedlich schnell durchleben.
Der Zeitfaktor hat für jede Partei eine eigenständige, individuelle Bedeutung!
Besonders die Kinder brauchen sowohl bei der Formulierung ihrer Bedürf-nisse und Interessen als auch bei der Entwicklung von Vorschlägen und Al-ternativen oft mehr Zeit als die Erwachsenen . Der individuelle Umgang mit der Zeit kann zeitliche Dissonanzen ergeben. Ein Umstand, der sich unserer Aufmerksamkeit leider allzu oft entzieht, besonders wenn es um die Bestimmung der Trennungszeit geht.

Der Anwalt fragt seinen Mandanten seit wann er sich von seiner Frau abgewendet habe. Dieser bemerkt, dass seine 'innerliche Kündigung' der Beziehung eigentlich schon zu dem Zeitpunkt eingetreten war, als die Eheleute den Intimverkehr eingestellt haben. Für ihn ist die Trennung also schon fast ein 'alter Hut'. Auf die Frage, wann denn seine Frau meine, dass die Trennung eingetreten sei, wird der Mandant schwankend.
Es macht einen gravierenden Unterschied, ob ein Ehegatte im Moment mit dem Trennungswunsch seines Partners konfrontiert wird oder ob die Infor-mation über dieses einschneidende Ereignis schon längere Zeit mit sich he-rumträgt. Liegt die Eröffnung der Trennung in der längerfristigen Vergan-genheit, hatte der davon betroffene Ehegatte (möglicherweise) schon aus-reichende Gelegenheit, sich mit dem Gedanken der Trennung abzufinden. Auch der Umstand, dass etwa der Ehemann innerlich bereits seit Jahren ge-trennt lebt während die Ehefrau noch mit dem Trennungsgedanken zaudert, bringt ganz eigentümliche Spannungen auf und verlangt eine entsprechend behutsame Kommunikation. Wir können beobachten, dass die Ehegatten den Gedanken zur Lösung ihrer zukünftigen Probleme umso weniger Raum geben, je näher sie sich am Trennungszeitpunkt befinden.
Die Einigungsbereitschaft steigt mit der Distanz, welche die betroffenen Ehegatten zur Trennung einnehmen (können).


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[Aktualisiert: 09-05-2004]
[Verantwortlich: Arthur Trossen]
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